Unruhe im Netz

Anfang des Jahres war ich für ein Austauschsemester in Ägypten und habe dort den politischen Umbruch live miterlebet und bin sogar selbst mit meinen Kommilitonen auf die Straße gezogen. Weil sich die jungen Menschen über Soziale Netzwerke wie Twitter verabredet und ausgetauscht haben, war schnell von der Facebook Revolution die Rede. Natürlich hat diese Art der Kommunikation die ganze Sache beschleunigt aber die Reaktion der Ägypter war längst überfällig. Ich habe dort erstmals erfahren, welche Macht das Internet haben kann und wie befreiend es sein kann, wenn man sich dort austauschen und mit Gleichgesinnten treffen kann. Während dieser Zeit habe ich auch mit dem Bloggen begonnen um meine Eindrücke zu schildern. Auf diese Art, und auch über mein Facebook-Profil, konnte ich meine Freunde und Familie auf dem Laufenden halten und ihnen mitteilen, dass es mir gut geht. Für mich gehört der Bereich Social Media seitdem zum wichtigsten Bestandteil meines täglichen Lebens. Umso erschütterter war ich als ich hörte, dass eine internationale Hackervereinigung medienwirksam ihre Macht demonstrieren und Facebook lahmlegen will.

Was es bedeutet, mit Hilfe von Überwachungssoftware ausspioniert zu werden, musste ich in Ägypten am eigenen Leib erfahren. Mir wurde unbemerkt Spyware auf meinem PC installiert mit Hilfe derer man versuchte, Informationen über mögliche Aktivitäten herauszufinden. Ich war natürlich nicht als einziger Opfer dieser Malware aber es hat mir schon zu Denken gegeben so unter Generalverdacht zu stehen. Die Hacker wollen jetzt also das populärste Soziale Netzwerk mit Viren und Trojanern angreifen, um ihre Macht zu demonstrieren und ihre Ziele durchzusetzen. Manche Ideen sind zwar ganz sinnvoll, so wie der Datenschutz im Internet in etwa, andere aber utopisch. Das Netz darf keine Freihandelszone werden, in dem gegen Copyrights und Lizenzrechte verstoßen wird. Natürlich muss nicht jeder kleinste Verstoß mit der gesamten Härte des Gesetzes geahndet werden, doch sollten auch Rechte von Unternehmen gewahrt werden.

Experten wie auch Hacker sind skeptisch, dass ein Angriff überhaupt funktionieren könnte. Ein Ziel wurde jedoch erreicht: Medienpräsenz. Die Hacker sind in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Jeden Tag gibt es Neuigkeiten darüber, in welche Systeme Cyberkriminelle bereits vorgedrungen sind. Bei mehr als 700 Millionen Mitgliedern bei Facebook wäre es natürlich ein riesen Coup für die Gruppe. Dennoch bin ich der Meinung, dass dieses Netzwerk nicht Schuld an den Missständen auf der Welt ist und sogar dazu beitragen kann, dass sich etwas ändert. Dies habe ich in Ägypten selbst gespürt und hoffe, dass es auch in Zukunft so bleibt. Die Hacker sollten sich lieber auf die Suche nach wirklichen Kriminellen machen und gerne auch Daten über Steuersünder sammeln. Diese richten nämlich einen viel größeren Schaden an, für die jeder Bürger geradestehen muss. Man könnte auf diese Art das Image der Hacker aufpolieren und all die in Bedrängnis bringen, die es wirklich verdient haben.

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