Ich habe mich wieder einmal über die Internetgeschwindigkeit in meiner Wohnung aufgeregt. Seit einiger Zeit gehe ich mit meinem Computer kabellos via WLAN ins Netz um auch mal auf der Couch sitzend zu surfen und dabei nicht so gefährliche Stolperfallen im Raum zu haben. Wie oft habe ich schon den Laptop vom Tisch gerissen, weil ich am Kabel hängen geblieben bin… Internet per Funk ist also sehr praktisch – aber nur solange ich alleine im Netz bin! Letztens hatte ich Freunde zu Besuch und da sie alle paar Minuten ihr Facebook-Profil nachsehen möchten, baten Sie mich darum, das WLAN-Netz mit ihren iPhones und sonstigen Smartphones nutzen zu dürfen. Kein Problem, ich habe ja eine Flatrate.
Eigentlich sollte ich keinen Grund haben mich zu beklagen. Ich wohne in der Stadt und bin per VDSL ans schnelle Internet angebunden. Bei meinen Eltern aufm Land gibt es gar keinen brauchbaren Zugang zum Internet, bestenfalls per ISDN. Das Dorf liegt in einem „weißen Fleck“, also einem Ort, an dem die Kommunikation noch auf der Strecke liegt. Oder besser gesagt lag! Denn anstatt dort das Kabelnetz weiter auszubauen, wird das Dorf, wie 600 weitere Gemeinden bundesweit“ jetzt mit dem allerneuesten Mobilfunknetz ausgestattet! Während wir in der Stadt mit unseren Smartphones noch im UMTS-Netz mit 3G-Standard surfen, ziehen meine Eltern geschwindigkeitstechnisch bereits mit LTE und 4G-Technologie an mir vorbei! Die sind im Mobilfunknetz jetzt also schneller als ich zu Hause bei guter Funkverbindung! Letztens haben Sie mich per Skype angerufen als sie einen Ausflug ins Grüne gemacht haben und mir einfach mal die schöne Landschaft zeigen wollten. Kein ruckeln, kein holpern und allerbeste Sprachqualität. Ich war echt neidisch. Nicht nur auf die gute Internetgeschwindigkeit sondern vor allem auf die Natur, denn ich hockte in meinem Zimmer mit Ausblick auf den Betonklotz gegenüber.
Ich finde es immer faszinierend und erschreckend zugleich wenn ich den technischen Fortschritt betrachte. Früher waren aus heutiger Sicht langsame Computer das absolute Nonplusultra und gleichzeitig waren Begriffe wie Datenschutz im Internet oder Soziale Netzwerke völlig unbekannt. Und niemand wäre auf die Idee gekommen so viele Informationen über sich preiszugeben. Meine Eltern erzählen mir immer wieder wie sie damals gegen die Volkszählung auf die Straße gegangen sind. Heute müsste der Staat ja nur einmal bei Facebook reinschauen, haha…
Im Grunde bin ich aber absoluter Freund des Fortschritts. Die Schnelligkeit des Computers erlaubt es mir, Abends meine verpassten Serien über das Internet anzusehen und mir sogar längst vergessene TV-Relikte aus meiner Kindheit zu besorgen. Erinnert sich noch irgendjemand an die Fraggles? Die habe ich nämlich in den Tiefen des Netzes wiederentdeckt und auf meinem Facebook-Profil gepostet. Meinen Freunden gefällts und mir erst recht.
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